Menschen laufen auf dem Gehweg entlang des Kö-Grabens
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ZUKUNFT DER KÖNIGSALLEE BRAUCHT AUGENMAß

Kritik am Bau des Zwei-Richtungsradwegs auf der Ostseite

11.09.2026

Am 16. Juli 2026 wurde der Bau des Zwei-Richtungsradwegs auf der Ostseite der Königsallee beschlossen. Eine Entscheidung, die aus unserer Sicht weit über eine reine Verkehrsplanung hinausgeht: Sie wird das Erscheinungsbild, die Nutzung und die Atmosphäre der Königsallee dauerhaft verändern.

Die IG Kö steht ausdrücklich für moderne Mobilität und ein gutes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer. Wir sind nicht gegen einen Radweg auf der Königsallee. Entscheidend ist für uns jedoch, wie dieser in einen so besonderen und denkmalgeschützten Stadtraum integriert wird.

Die derzeitige Planung bereitet uns große Sorge – sowohl mit Blick auf die Sicherheit und mögliche Nutzungskonflikte als auch auf die Großzügigkeit, Aufenthaltsqualität und besondere Identität der Königsallee. Die Kö ist weit mehr als ein Verkehrsraum. Sie ist Flaniermeile, Wirtschaftsstandort und internationale Visitenkarte Düsseldorfs.

Nachfolgend der offene Brief der Interessengemeinschaft Königsallee an die Stadt Düsseldorf:

Sehr geehrte Damen und Herren,

es gibt Entscheidungen in einer Stadt, die weit über Verkehrsplanung hinausgehen. Entscheidungen, die das Gesicht, die Identität und die Seele eines Ortes dauerhaft verändern. Der geplante Umbau der Ostseite der Königsallee gehört dazu.

Die Königsallee ist keine beliebige Straße. Sie wurde nie als reiner Verkehrsweg gedacht, sondern als bewusstes städtebauliches Statement – Ausdruck von Großzügigkeit, Wohlstand, urbaner Eleganz und wirtschaftlicher Stärke. Genau deshalb wurde sie zu einer der bekanntesten Alleen Europas und zur internationalen Visitenkarte Düsseldorfs.

Wer heute über die Kö spricht, spricht nicht nur über Asphalt, Parkstreifen oder Radwege. Man spricht über Atmosphäre. Über Wirkung. Über das Gefühl von Weite, Offenheit und urbaner Qualität. Über einen Ort, der wirtschaftliche Kraft sichtbar macht.

Mit dem geplanten Umbau droht genau dieses Wesen verloren zu gehen. Eine schmale Fahrbahn, eingefasst zwischen Radweg, Schutzstreifen und Parkzonen, verändert die gesamte Wahrnehmung der Allee. Die historische Großzügigkeit würde einer funktional verdichteten Verkehrsanlage weichen. Aus einer weltstädtischen Prachtstraße droht ein schmaler Korridor mit einem Nebeneinander verschiedener Verkehrsarten zu werden.

Dabei ist ein modernes und respektvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer selbstverständlich richtig und zeitgemäß. Düsseldorf braucht sichere Lösungen für Radfahrer, Fußgänger, Lieferverkehre, ÖPNV und den motorisierten Verkehr. Niemand stellt infrage, dass Radverkehr seinen Platz haben muss. Entscheidend ist jedoch, wie dieser Platz in einen einzigartigen Stadtraum integriert wird.

Die vorgesehene Fahrbahnbreite von nur vier Metern erscheint dabei im Alltag hoch problematisch. Sobald Fahrzeuge zum Ein- oder Aussteigen halten oder einparken, wird der Verkehrsfluss unmittelbar unterbrochen. Ausweichmöglichkeiten fehlen, Rückstaus und Konfliktsituationen sind vorprogrammiert. Statt eines sicheren Miteinanders entstehen potenziell gefährliche Situationen für alle Verkehrsteilnehmer.

Hinzu kommt die geplante Führung eines Zweirichtungsradwegs an einem der bedeutendsten Flanierorte der Stadt. Die Kö ist nicht nur Verkehrsraum – sie ist vor allem Aufenthaltsraum. Menschen bleiben stehen, betrachten Schaufenster, treffen sich oder wechseln spontan die Straßenseite. Ein Zweirichtungsradweg schafft zusätzliche Bewegungsströme aus verschiedenen Richtungen und erhöht die Komplexität deutlich. Dies fördert Konfliktpotenzial und wird die Leichtigkeit und Qualität des Flanierens zwangsläufig beeinträchtigen.

Die Frage lautet deshalb nicht, ob Veränderung notwendig ist. Die Frage lautet, ob ausgerechnet an diesem einzigartigen Ort eine Lösung entstehen soll, die den Charakter der Königsallee grundlegend verändert. Die Kö ist nicht irgendeine Straße. Sie ist ein historisch gewachsenes Symbol für Düsseldorf, für Handel, Tourismus, Arbeitsplätze, Investitionen und internationale Strahlkraft. Solche Orte leben nicht allein von Funktionalität, sondern von Atmosphäre und Identität. Städte weltweit investieren enorme Summen, um genau solche Orte zu schaffen – Düsseldorf besitzt ihn bereits.

Die geplante Umgestaltung mag technisch sinnvoll erscheinen. Doch Städtebau entscheidet sich nicht allein in Querschnitten und Zentimetern, sondern in Wirkung, Wahrnehmung und langfristiger Identität. Die Königsallee darf nicht auf die Frage reduziert werden, wie viele Verkehrsarten man technisch nebeneinander organisieren kann. Sie muss als das verstanden werden, was sie seit ihrer Entstehung immer war: ein sichtbares Statement für urbanen Anspruch, wirtschaftlichen Aufschwung und die internationale Bedeutung Düsseldorfs.

Es geht hier um eine Jahrhundertentscheidung. Denn was einmal verloren geht, lässt sich kaum zurückholen. Wir appellieren deshalb eindringlich an Politik und Verwaltung, die Tragweite dieser Entscheidung neu zu bewerten – nicht nur verkehrstechnisch, sondern auch städtebaulich, wirtschaftlich und kulturell.

Die Zukunft der Königsallee darf nicht in der Verkleinerung ihrer Wirkung liegen, sondern in der intelligenten Verbindung von Mobilität, Moderne und Identität.

Ein diesen Maßstäben genügendes Konzept liegt aus unserer Sicht derzeit nicht vor. Wir erwarten daher eine kluge Neuüberarbeitung, die den Anforderungen moderner Mobilität gerecht wird, ohne die Identität und Qualität dieses einzigartigen Stadtraums nachhaltig zu beschädigen.

Denn die Kö ist weit mehr als eine Straße.
Sie ist das Gesicht dieser Stadt.

Ihre
Interessengemeinschaft Königsallee

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